Blog: «11. World Symposium on Choral Music» WSCM11 in Barcelona

Meine ursprüngliche Idee wäre ein „live aus Barcelona“-Blog vom «11. World Symposium on Choral Music» gewesen – leider wurde nichts daraus, denn ein normaler Tagesablauf sah in etwa so aus:

8.30 Offenes Singen
9.30 erster Vortrag
11.00 zweiter Vortrag
13.00 Mittagskonzert
14.30 dritter Vortrag
16.00 eventuell eine Präsentation
17.00 Konzert
21.00 Konzert (meist bis ca. 23 Uhr)

Nein, da blieb irgendwie zuwenig Zeit einen Blog zu betreuen. Gelohnt hätte es sich allemal, denn die Eindrücke während acht Tagen vom 22. Juli weg waren überwältigend: 20 der besten Chöre der Welt, 20 zusätzliche Chöre, dazu viele katalanische Chöre, 35 Vorträge (die jeweils zweimal gehalten wurden), zwei Masterclasses, zwei Konzerte auf der grossen Bühne pro Tag und dies an acht aufeinanderfolgenden Tagen für gegen 2000 (?) Chorleiterinnen und Chorleiter, Komponistinnen, Managerinnen und das weitere Publikum in Barcelona.

35 Vorträge und 60 Präsentationen, Podiumsdiskussionen und öffentliche Proben

Schon die Auswahl der Angebote war kein kleiner Aufwand. Zum Glück waren wir zu dritt und konnten uns so gegenseitig Vorträge empfehlen oder zusammenfassen. Die Erstellung von brauchbaren Notizen der zum Teil ausgezeichneten Vorträge war kraftraubend, aber spannend. Die Themenauswahl war sehr breit und die verschiedenen Ansätze der Referentinnen und Referenten sehr interessant. siehe http://www.wscm11.cat/schedule1part und http://www.wscm11.cat/lecturers

Ich möchte hier nur einige wenige aufzählen:
Kadri Hunt lässt Gregorianik und Instrumentalmusik in die Arbeit mit Knabenchören einfliessen.
Miguel Santaella geht „back to the roots“ und öffnet seine Chorarrangements und -kompositionen für Formen und Ansätze der Jazzmusik.
Kari Turunen fasst seine Grundsätze in zehn spannende „approaches“ zusammen, um den Chorklang zu entwickeln.
Jim Daus Hjernøe überträgt das Soundpainting auf den Chor, eine Zeichensprache um formale, rythmische, melodische, klangliche Elemente live zu verändern, so ensteht ein Live-Arranging.
Elena Sharkova setzt sich mit den physischen und psychischen Voraussetzungen der Chorsängerinnen in der Chorprobe auseinander, Meditation und die Verbindung von Bewegung und Klang sind bei ihr fundamentale Elemente der Arbeit.
Marita Goga und Simon Halsey erzählen von ihren Erfahrungen mit Mediation.
Vahram Sargsyan berichtet von seinen Forschungen zur menschlichen Stimme und seinen Kompositionen mit Vokaltechniken, die er aus der ganzen Welt gesammelt hat.
Elise Bradley berichtet von ihrer Arbeit an der genauen Umsetzung von Vokalen anhand des phonetischen Alphabets.
Und dies war nur meine Auswahl der ersten Hälfte…..

Eines hatten alle Referentinnen und Referenten gemeinsam: in 45 Minuten sprachen sie über ihre Grundsätze aus der täglichen Arbeit, sei es als Chorleiter, Komponist, Forscher, Soziologe, Musiker. Einzelne Vorträge waren zwar etwas trocken, aber die überwiegende Zahl der Referate war sehr beherzt und inspirierend.

Fantastische Konzerte

250 Chöre sollen sich beworben haben, zwanzig wurden ausgewählt auf der grossen Bühne zu konzertieren, Chöre in allen Stimm-Varianten auf höchstem Niveau (siehe http://www.wscm11.cat/choirs). Hinzu kamen noch einmal 30 Einladungen von Chören für die Circle Concerts. Pro Konzert hat man drei oder vier Chöre gehört, diese à dreissig bis vierzig Minuten mal zwei Konzerte pro Tag (plus Mittagskonzerte machen also fünfzig Chorkonzerte in den acht Tagen???).

Drei Konzerte möchte ich erwähnen: der Kammerchor Saarbrücken hat ein ausgezeichnetes Konzert gegeben, dass nach sehr viel „Soundmusik“ wohltuend „klassisch“ programmiert war. Der Chor hat unter der hervorragenden Leitung von Georg Grün spannend und mitreissend musiziert. Der Tajimichor aus Japan gefiel durch höchste Präzision gepaart mit grosser Präsenz und Ausdruckstärke der einzelnen Stimmen bis hin zu spannenden aleatorischen Momenten (in einem eindrücklichen Stück führte das Spiel mit Papierballons zur Aleatorik, das Jonglieren und Scheitern gab die Zufälligkeit der Musik vor). Der Universitätschor Oregon (einer der Chöre der Circle Concerts) war für mich der musikalische Glanzpunkt: unter der Leitung von Sharon J. Paul musizierten die Studentinnen und Studenten auf ergreifende Art und Weise. Sharon Paul (http://www.wscm11.cat/sharonjpaul) erläuterte ihre Arbeitsweise im Referat „Conducting with the Brain in Mind“, das Ergebnis in den Konzerten stach musikalisch im onehin schon hohen Niveau noch heraus.

Und vieles mehr

Natürlich versuchte man in den Pausen- und Zwischenzeiten Kontakte zu knüpfen, Noten zu erwerben, Gedanken zu notieren und sich auszutauschen, aber eben, an das Schreiben eines Blogs war nicht zu denken. Meine Begegnungen mit Menschen aus Israel, Niederlande, Venzuela, Korsika oder den Philippinen waren zwar nur kurz, aber eindrücklich. Das nächste Symposium wird 2020 in Neuseeland stattfinden, vermutlich kommt es also erst in 15 Jahren zurück nach Europa.

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