Das Evangelium nach Johannes und «die Juden»

Dieser Artikel wurde zuerst im Programmheft zum Karfreitags–Konzert mit der Johannespassion von Thomas Selle publiziert und erscheint hier mit freundlicher Genehmigung der Autoren Heidi und Peter Ritzmann, zwei thelogisch interessierten Mitgliedern der Kantorei Thalwil.

Wer heute eine Vertonung der Johannespassion aufführen will, muss sich ernsthaft fragen, ob das überhaupt noch verantwortbar ist, derart belastet ist die Wirkungsgeschichte des Johannesevangeliums und ganz speziell die Darstellung der Juden in der Passion Jesu. Diese negative Darstellung „der Juden“ ist in der Geschichte des Christentums oft als Anlass für judenfeindliche Haltungen und Verfolgungen genommen worden. Sie hat dem jüdischen Volk unendliches Leid und Elend zugefügt. Dabei wurden die negativen Darstellungen undifferenziert gegenüber den positiven in den Vordergrund gerückt und zu Pauschalverurteilungen des Judentums missbraucht. „Das Evangelium nach Johannes und «die Juden»“ weiterlesen

«Halleluja» in österlicher Fülle

Warum enden so viele Osterlieder mit so ausführlichen Refrains auf das Wort „Halleluja“?

„Hallelu-Jah“: „preiset Jah(weh)“, den Schöpfer, der das Universum als Abbild seiner Liebe leben lassen wollte – und die Menschen auch. Der unter Leben nicht den Weg zum Tod versteht, sondern eine Kraft zum Sein, zum Werden, zum Guten, zur Beziehung mit allen und allem. Für solches Leben gibt es kein Sterben. Drum liess er Jesus nicht im Grab, sondern holte er ihn in die Ewigkeit, aus der er immer und überall geistig präsent ist. „«Halleluja» in österlicher Fülle“ weiterlesen

Meine erste Osternacht

Es muss 1994 gewesen sein, fünf Monate vorher hatte ich meine Autoprüfung bestanden und bereits im ganzen Kanton Glarus meine ersten Sporen als Organist abverdient, da wurde ich vom katholischen Pfarramt Weesen angefragt, ob ich nicht für die Osternachtsmesse einspringen könne. Ich hatte bis zu diesem Zeitpunkt noch nie eine Messe an der Orgel begleitet und ich erinnere mich nicht daran, vorher überhaupt an einer katholischen Messe dabei gewesen zu sein.

Ich sagte zu.

„Meine erste Osternacht“ weiterlesen

Max Reger trifft Johann Sebastian Bach – Konzert zum Karfreitag

Karfreitag, 25. März 2016, 17 Uhr, Reformierte Kirche Uster

„Bach ist Anfang und Ende aller Musik“ so schreibt Max Reger auf einem Widmungsblatt am 21. Mai 1906. Diese grosse Bewunderung für den Thomas-Kantor gab mir Anlass, im Karfreitagskonzert die beiden Komponisten einander gegenüber zu stellen. Nicht im Sinne einer Konkurrenz, sondern um die Gemeinsamkeiten herauszuheben, die sich in einer grossen musikalischen Tiefe, bei beiden Musikern in ihrer Tonsprache und im damaligen Zeitgeist, äussert.

„Max Reger trifft Johann Sebastian Bach – Konzert zum Karfreitag“ weiterlesen

Einführung zum Orgelrezital «REGER I» am 13. März um 17 Uhr

Ferdinand Hodler [Public domain or Public domain], via Wikimedia Commons

Da war diese Ausstellung in der Fondation Beyeler über Ferdinand Hodler [www.fondationbeyeler.ch]. Vorher konnte ich es nicht so mit Hodler. Ich fand einfach keinen Zugang, auch wenn mich seine Bilder fasziniert haben. Die enorme Konzentration auf 17 Bilder aus vielen Schaffensstadien haben mir dabei geholfen einen Weg zu ihm zu finden. „Einführung zum Orgelrezital «REGER I» am 13. März um 17 Uhr“ weiterlesen

Musik zu Pfingsten von Alfred Zimmerlin

Seltsamerweise klingt der Heilige Geist nicht «schön», so wie wir uns landläufig schöne Musik vorstellen. Mozart hat in seiner c-Moll-Messe zum «cum sancto spiritu» eine geradezu dämonische Musik geschrieben, vielleicht seine heftigste ausserhalb der Oper: Dieser Heilige Geist hat auch eine ganz dunkle Seite. Oder eine Seite, die wir nicht verstehen. Aber auch die tibetischen Tempeltrompeten, die eingesetzt werden, um Spiritualität zu erwecken, klingen alles andere als schön: Sie reiben, vibrieren, ihr Klang ist aufgerauht und instabil. Rund um den Erdball liessen sich in den unterschiedlichsten Kulturen Beispiele finden, wo die Musik dann, wenn es um das geht, was wir «Geist» oder den «Heiligen Geist» nennen, aus Schwebungen, Reibungen oder gar komplexen Geräuschen besteht. „Musik zu Pfingsten von Alfred Zimmerlin“ weiterlesen