Zu Gast: Zürcher Bachchor am 12. November

Gérald Kurth war viele Jahre Sänger beim Zürcher Bach Chor, lange bevor er Mitglied der Kirchenpflege und der Kantorei Uster wurde. Der pensionierte Buchhalter erzählt Röbi Koller, dem heutigen Präsidenten des ZBC, von seinen musischen Seiten.

Röbi Koller: Gérald, du hast dich sehr dafür eingesetzt, dass der Zürcher Bach Chor in Uster auftreten kann. Warum eigentlich?
Gérald Kurth: Ich war 30 Jahre lang aktiv beim ZBC, meine Frau sogar 42 Jahre. Der Chor und die Musik waren sehr wichtig in unserem Eheleben. Meine Frau hat erst eine Pause gemacht nach der vierten Schwangerschaft. Das nutzte ich um selber als Sänger aktiv zu werden.
Während meiner Zeit beim ZBC war ich drei Mal Revisor, aber sonst war ich nie im Vorstand. Als wir 2011 aufhörten, hatten sie dort ein Problem mit der Buchhaltung und ich stellte mich zur Verfügung, um auszuhelfen. Diese Aushilfe dauert immer noch an.

Ihr habt eine eindrückliche Sammlung von Notenbüchern aus all diesen Jahren. Welche Werke sind dir besonders in Erinnerung geblieben?
Eigentlich liebte ich immer jene Werke, die wir gerade probten. Aber mein absoluter Favorit ist die Missa Solemnis von Beethoven. Ich habe sie drei Mal gesungen.

Der ZBC singt dieses Jahr zum ersten Mal in Uster. Warum war er vorher noch nie hier zu Gast?
In meiner Zeit als Kirchenpfleger schlug ich dem Präsidenten immer wieder vor, nach Uster zu kommen. Aber es ergab sich nie. Und plötzlich, als ich schon nicht mehr aktiv dabei war, kam die Anfrage des Zürcher Bach Chors. Hier in Uster nahm man an, ich stünde dahinter.

Du hast den Zürcher Bach Chor seit deinem Abgang immer wieder gesehen und gehört. Wie beurteilst du ihn heute?
Er hat einen grossen Schritt in Richtung a cappella Chor gemacht, der auch kleinere Werke aufführt. Von der Intonation her wurden unter dem neuen Dirigenten Andreas Reize markante Fortschritte gemacht.

Du bist Buchhalter von Beruf. Eine Tätigkeit, für die es keine musische Voraussetzungen braucht. Daneben bist du ein begeisterter Sänger. Hast zu zwei Seelen in deiner Brust?
Mehrere sogar. Eigentlich wollte ich Schreiner werden. Aber der Berufsberater schaute, wo man Lehrlinge brauchte – so bin ich im KV gelandet. 1967, als Informatik immer wichtiger wurde, kam ich als Operator zur Swissair. Aber nach 6 Jahren wechselte ich in die Buchhaltung, wo ich mich wohl fühlte. Ich blieb bei der Swissair hängen – zuletzt noch 14 Jahre als Liquidator.

Und deine musische Seite?
Wir hatten zuhause eine Handorgel und ich musste Handorgel lernen. Aber ich habe dieses Instrument nie gemocht.

Warum?
Es ist nicht meine Musik! Darum habe ich gespart und mir später eine Gitarre gekauft. Ich lernte im Selbststudium alle Lieder von Georges Brassens, Jacques Brel und den anderen Chansonniers. Ich hatte die Gitarre immer dabei, manchmal auf dem Rücken, wenn ich mit dem Töffli zelten ging.

Wie hattest du es mit der klassischen Musik?
Die kannte ich von zuhause gar nicht. Die erste Berührung mit klassischer Musik hatte ich durch meine Frau. Ich lernte sie 1969 kennen, kurz bevor sie mit dem Zürcher Bach Chor die h-Moll Messe in der Tonhalle aufführten. Aber ich ging nicht hin. Ich sagte: Damit kannst du mich jagen!
Bald darauf haben wir geheiratet und ich liess mich überreden, ein Konzert zu besuchen. Erstaunlicherweise war ich vom ersten Moment an so überwältigt, dass ich den Mund gar nicht mehr zu bekam.

Du musst unbedingt zu unserem Konzert nach Uster kommen, nur schon wegen der Pianistin Petya Mihneva, die auch unsere Korrepetitorin ist. Unglaublich, wie sicher und schön sie spielt.
Ich kenne sie bisher nur als Budgetposten in eurer Buchhaltung. Ich freue mich, sie persönlich kennenzulernen. Und sie darf sich auf ein gutes Instrument freuen. Ich habe vor ein paar Jahren angeregt, dass man einen neuen Steinway anschafft – der steht jetzt für Konzerte zur Verfügung.


Der Zürcher Bach Chor gastiert am Samstag, 12. November in der reformierten Kirche Uster, mit Werken von Schumann, Brahms, Dvořak und Elgar. Am Piano: Petya Mihneva. Leitung: Andreas Reize.